Jahresrückblick 1000 Hügel e. V.: Bienfait im Mittelpunkt der Aktivitäten.
In Ruanda bestehen nach wie vor große Unterschiede in der medizinischen Versorgung: Städte verfügen über Krankenhäuser und Fachpersonal, während ländliche Regionen oft nur rudimentär angebunden sind. Infrastrukturdefizite, lange Wege zu Kliniken und fehlende Ressourcen führen dazu, dass besonders Kinder mit Behinderungen kaum Zugang zu notwendiger medizinischer Versorgung haben. Hier setzt unser Bienfait-Projekt an: mobil, fachlich fundiert und nachhaltig.
Das Bienfait-Projekt bildet das Herzstück der Vereinsarbeit. Ziel ist es, Kinder mit Behinderungen in entlegenen Gemeinden medizinisch zu versorgen und langfristig zu begleiten. Ausgestattet mit medizinischem Fachpersonal, Therapeut:innen und sozialer Beratung fährt das mobile Team regelmäßig in entlegene Gemeinden, identifiziert Kinder mit Unterstützungsbedarf, führt Erstuntersuchungen durch und begleitet Familien niedrigschwellig und wohnortnah.
In den vergangenen Jahren konnten so über 600 Kinder medizinisch versorgt werden, 260 davon in den vergangenen 12 Monaten. Mehr als 20 Kinder erhielten bereits dringend notwendige orthopädische Operationen, 47 weitere Kinder werden im kommenden Jahr operiert. 12 Kinder konnten nach erfolgreicher Behandlung als gesund entlassen werden!

Das multidisziplinäre mobile Team von Bienfait bringt
primäre Gesundheitsversorgung in die entlegenen
Dörfern Ruandas und versorgt Kinder und Jugendliche
mit Behinderung bei ihnen Zuhause.
„Ohne das mobile Team würden viele dieser Kinder keine Behandlung bekommen. Wir bringen die Versorgung zu den Menschen, nicht umgekehrt. Das sind keine Zahlen, das sind Lebensgeschichten“.
Der ganzheitliche Ansatz von Bienfait basiert auf Community Based Rehabilitation (CBR) und einem konsequenten Continuum of Care. CBR bedeutet in Kürze: Rehabilitation findet direkt in der Gemeinde statt, Familien werden aktiv einbezogen, Kinder werden medizinisch, schulisch und sozial unterstützt, Dorfgemeinschaften sensibilisiert. Eltern werden geschult, Stigmatisierung aktiv abgebaut und lokale Ressourcen werden genutzt.

Stärkung der Familien, Beratung und die
Gründung von Selbsthilfegruppen ist ein
wesentlicher Bestandteil des Ansatzes
von Bienfait. Über 560 Eltern treffen sich
regelmäßig in ihren Dörfern, um sich
gegenseitig zu unterstützen.
Das Continuum of Care garantiert, dass Kinder von der Erstidentifikation über Diagnostik, Krankenversicherung, Operation oder Therapie, Ernährungsberatung, Nachsorge bis zur langfristigen Begleitung umfassend versorgt werden.

Vor Ort vermessen und lokal gefertigte,
individuell angepasste orthopädische Hilfsmittel
ermöglichen Mobilität und Teilhabe.
Dieser lückenlose Ansatz ermöglicht medizinische Versorgung und verhindert, dass Kinder nach einem Eingriff allein gelassen werden oder Therapien abbrechen müssen. „Wir lassen niemanden auf halbem Weg zurück“.

Seit Anfang dieses Jahres wurde das mobile Team gezielt erweitert, ein Ernährungsberater ergänzt nun die medizinische und therapeutische Arbeit. Dieser Schritt ist kein Zufall, sondern eine dringend notwendige Weiterentwicklung des Projektes, denn rund 40% der Kinder in den Distrikten Karongi und Rutsiro leiden unter Unterernährung.
Armut, Hunger und Behinderung sind eng miteinander verwoben. Mangelernährung verschlechtert Heilungschancen, verzögert Entwicklung und kann bestehende Behinderungen verstärken.
Viele der betreuten Kinder sind chronisch unterernährt, was Infektionen begünstigt und die Genesung nach Operationen oder Verletzungen erheblich erschwert. Der fehlende Zugang zu früher medizinischer Versorgung führt zudem dazu, dass eigentlich behandelbare Erkrankungen schwere, dauerhafte Folgen haben.
Ein Beispiel ist Osteomyelitis, eine bakterielle Knochenentzündung, die bei frühzeitiger Behandlung gut therapierbar wäre, in ländlichen Regionen jedoch oft zu spät erkannt wird. Unbehandelt kann sie zu Deformierungen, chronischen Schmerzen oder dauerhaften Behinderungen führen. Genau hier setzt die Versorgungskette des Bienfait-Projekts an: Identifikation im Dorf, Diagnostik, Operation oder Therapie, Ernährungsberatung, Nachsorge und langfristige Begleitung der Familien.

Die Qualität dieser Arbeit ist kein Zufall. Die Vorsitzende des Vereins 1000 Hügel bringt einen Masterabschluss in nachhaltiger Entwicklungszusammenarbeit mit und ist regelmäßig ehrenamtlich selbst vorOrt in Ruanda, um Projekte zu begleiten, Bedarfe zu evaluieren und gemeinsam mit lokalen Fachkräften Lösungen weiterzuentwickeln. Entscheidungen werden nicht am Schreibtisch in Deutschland getroffen, sondern auf Basis direkter Eindrücke und mit breiter Partizipation aus den Projektregionen.
Diese Nähe schafft Vertrauen, bei Partnern, Familien und Unterstützenden gleichermaßen.
Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Zusammenarbeit mit der Franz von Assisi Grundschule aus Ostbevern. Regelmäßige Besuche der Vorsitzenden – mit oder ohne Gäste aus Ruanda- – und Berichte in den Klassen stärken das Bewusstsein für globale Verantwortung bereits bei jungen Menschen. Im Herbst diesen Jahres reisten zudem zwei ehemalige Lehrerinnen mit ihren Partnern nach Ruanda, um sich persönlich ein Bild von der Arbeit von 1000 Hügel e.V. zu machen. Die Eindrücke waren tief bewegend. „Der direkte Kontakt verändert den Blick“, so der Eindruck der Reisenden.
Eine besondere Ehre war die Nominierung zum Zero Project Award – aus 586 Projekten von 93 Ländern wurde Bienfait mit 162 weiteren Projekten nominiert! Die Kategorien waren “Accessibility, ICT, and Crisis Response”.
Ein weiteres Highlight war der Besuch von Bienfait, repräsentiert vom Executive Director, in Deutschland, die gemeinsame Teilnahme am Global Disability Summit in Berlin, diverse Vorträge an Schulen und Partnern.


Ergänzend bleibt das Projekt und Ausbildungszentrum „Mama Courage“ als ein weiterer tragender Pfeiler der Vereinsarbeit. Der Standort des Ausbildungszentrums in Bugesera bleibt bewusst erhalten, während die Ausbildungsrichtungen regelmäßig angepasst werden, um Überangebote bestimmter Berufsfelder zu vermeiden und nachhaltig sowie bedarfsgerecht auszubilden. So entstehen langfristige Perspektiven statt kurzfristiger Lösungen. Derzeit werden die jungen Mütter in „Advanced Housekeeping“, also Kochen, Backen und Hauswirtschaft ausgebildet.

Seit Beginn von Mama Courage konnten bislang 208 junge Frauen ausgebildet werden. In den vergangenen Monaten insgesamt 61 in Advanced Housekeeping.

Der Jahresrückblick ist zugleich ein Blick nach vorn – und ein deutlicher Spendenaufruf.
Die medizinische Arbeit von Bienfait, insbesondere Operationen, mobile Einsätze und Nachsorge, ist kostenintensiv und auf verlässliche Unterstützung angewiesen. „Jede Spende fließt direkt in konkrete Hilfe“, bekräftigt die Vorsitzende.
„Und jede Unterstützung hilft dabei, Kindern ein Leben mit mehr Würde, besserer Gesundheit und Teilhabe zu ermöglichen.“
1000 Hügel e. V. zeigt eindrucksvoll, dass lokales Ehrenamt, fachliche Kompetenz und internationale Verantwortung zusammen Großes bewirken können.
Spendenkonto: 1000 Hügel e.V. DE12400501500034449975
Wir danken allen Spenderinnen und Spender, Stiftungen und sonstige Organisationen für das Vertrauen in unsere Arbeit und die finanzielle sowie moralische Unterstützung!! Murakoze cyane!