Der Eindruck in Mubuga vor Ort

Es lässt sich kaum in Worte fassen, dieses Gefühl der völligen Überforderung, gepaart mit Hilflosigkeit und der traurigen Gewissheit, dass man nicht allen helfen kann. Wenn man morgens aus der Bürotür schaut und in hunderte traurige Augen schaut und jedes Gesicht eine Geschichte zu erzählen hat. Jeder hat schon so viel Unfassbares erlebt. In Mubuga wohnen derzeit etwa 2560 Kinder, davon sind 900 Waisen.

Warum es so viele sind? Viele Eltern sind an den Folgen des Genozids 1994 gestorben. Manche haben sich nicht davon erholen können, Frauen sind durch Vergewaltigungen mit HIV angesteckt worden. Einige der Waisen sind durch ihre Mütter infiziert worden.
Ein weiterer Grund ist Armut und dadurch resultierende geringe Lebenserwartung, gepaart mit einseitiger Ernährung, schlechten Lebensbedingungen, mangelhafter Krankenversorgung.
Manche Kinder sind  durch Unfälle Waisen geworden, manche haben ihren Vater nie kennengelernt, manche haben noch ein Elternteil, welches aber wieder neu verheiratet ist und mit der neuen Familie zusammenlebt.

Diesem Gefühl der Ohnmacht konnte und durfte ich nicht nachgeben. Tief durchatmen und sich drauf einlassen, Gespräche führen, nachfragen, erklären lassen, beraten, reden, zuhören, in den Arm nehmen. Manchmal einen Ziegenvertrag direkt unterschreiben lassen. Manchmal eine Ziege in Aussicht stellen. Vor allem dann, wenn wir jemanden vor uns sitzen haben, der nicht mehr zur Schule geht. Bei erneutem Schulbesuch gibt es im kommenden Jahr eine Ziege. Guter Deal! Aber es bleiben noch so viele übrig, die wir noch nicht versorgen können.

Nach welchen Kriterien werden die Mädchen ausgewählt ?

★ Alter: zwischen 12 und 18 Jahren

★ Waise (Vollwaise / Halbwaise /andere Familienangehörige)

★ Bedürftigkeit

★ sonstige Umstände

★ schulische Leistung (nur wer zur Schule geht, bekommt eine Ziege)

★ Wohnsituation (alleine, Kinderfamilien, fremde Betreuung)

★ Gesundheitszustand (krank, traumatisiert, HIV-infiziert)

★ Teilnahme an den fachlichen und persönlichen Schulungen

Wie Ihr seht, die Entscheidungen, wer wann eine Ziege bekommt, fallen nicht leicht. Gewisse Entscheidungskriterien sind daher wichtig und transparent. Es kommt bei keiner unserer Entscheidungen zu Protesten oder Gemecker. Im Gegenteil, selbst diejenigen, die zunächst keine Ziege bekommen können, haben Hoffnung auf eine bessere Zukunft bekommen.

Das Gefühl der Überforderung bleibt angesichts der vielen Probleme nicht aus. Trotzdem: weitermachen!

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In Gesprächen 

So sieht es dann aus, wenn die Gespräche geführt werden. Dabei lernt man sich dann nicht nur gegenseitig kennen, sondern ganz nebenbei auch eine neue Sprache: Kinyarwanda. „Imyaka“ bedeutet „Alter“, „Ihene“ heißt „Ziege“.

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Waisen in Mubuga

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Diese Mädchen gehören zu den ersten Ziegenbesitzerinnen
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Und es wurden täglich mehr!

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