6.4.1994

Der Tag, an dem die Welt Ruanda im Stich lies.

Nachdem die Präsidenten von Ruanda Präsident Habyarimana und Burundis Präsident Ntaryamira bei einem Raketenanschlag auf ihr Flugzeug gegen 20:30 Uhr getötet worden sind, bricht in Ruanda ein Bürgerkrieg aus.
Keine 30 Minuten später begannen in Kigali die Morde an Tutsis und oppositionellen Hutus.

Diese Nacht und der darauffolgende Tag markieren den Anfang von einem 100 Tage andauernden Völkermord, der in seiner Brutalität schwer zu beschreiben ist.
Bewaffnet mit Macheten, Speeren, Knüppeln, Nagelkeulen, Äxten, Hacken und ähnlichen Tatwaffen gingen die Täter systematisch ans Werk. Die Planung dafür begannen bereits zwei Jahre früher und es wurden dazu auch im großen Stil Schusswaffen an die Bevölkerung verteilt, jedoch ist das kostspielig und so entschied man sich auch Macheten zu nutzen, sie dienen als landwirtschaftliche Werkzeuge und sind in jedem Haushalt zu finden. Plünderungen, Vergewaltigungen, Verstümmelungen und Folter begleiteten das Töten.

Die internationale Gemeinschaft reagierte auf den Ausbruch der Gewalt, indem sie Ausländer aus Ruanda ausflog. Der UN Befehlshaber Roméo Dallaire forderte verzweifelt 5000 Blauhelmsoldaten an und die Erlaubnis, Waffengewalt anwenden zu dürfen. Doch die zuständige Abteilung für Friedensmissionen, damals geleitet von Kofi Annan verweigerte die notwendige Intervention. Annan empfahl stattdessen den Abzug der Truppen bis auf 270 Mann. Annan hat sich inzwischen entschuldigt.

Frankreich setzte noch einen drauf: es bildete zunächst noch die Hutu-Milizen aus und lieferte auch während diese Tötungen in vollem Gang waren, noch Waffen an die Völkermörder. Vor wenigen Tagen, kurz vor dem 25. Jahrestag des Völkermords in Ruanda hat der französische Staatschef Emmanuel Macron eine Kommission einberufen, um die Rolle Frankreichs bei dem Genozid untersuchen zu lassen. Die Expertengruppe werde sich alle französischen Archive von 1990 bis 1994 in Bezug auf den Völkermord anschauen, teilte der Präsidentenpalast mit.

Auch die ehemaligen Kolonialmächte Deutschland und Belgien griffen nicht ein und für die USA war Ruanda offensichtlich nicht wichtig genug. Auch der damalige Präsident Clinton hat sich inzwischen entschuldigt.

All das wird keinen der 1 Million Opfer wieder lebendig machen oder die Seelen der Hinterbliebenen heilen. Vielleicht hilft es aber zu verhindern, dass so etwas noch einmal passiert.


In Gedenken an Agnes, die ich leider nie kennen gelernt habe, deren Mann, Kinder und Enkel aber zu mir gehören, wie eine Familie, werde ich hier in den kommenden Wochen einige Geschichten von meinen Freunden aus Ruanda erzählen. Von Flucht, Angst, Überleben und Versöhnung.

Genozid Memorial Kigali





Buchtipps / unbezahlte Werbung/ Werbung da Namensnennung:
Ein Sonntag am Pool in Kigali, Gil Courtemanche
Hundert Tage, Lukas Bärfuß
Kleines Land, Gael Faye

Filmtipps:
Hotel Ruanda
Black Earth Rising

Auf den Spuren der Täter von Kigali Films https://www.arte.tv/de/videos/084755-002-A/re-auf-den-spuren-der-taeter/




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