Ab auf den Bisoke! – Bei einer Vulkanbesteigung kommt (fast) jeder ins Schwitzen

Tag 2-3 von Marleen

Heute verabschieden wir uns zum ersten Mal von Kigali und es geht über holprige Straßen raus aus der Stadt, ab in die Natur. Ziel: Ruhengeri. Neugierig schauen wir während der Fahrt aus dem Fenster und sind völlig geflasht von der atemberaubenden, hügeligen und saftig grünen Landschaft, durch die wir (im wahrsten Sinne des Wortes) kurven.

Wir alle sind wohl noch damit beschäftigt, die Eindrücke der ersten Tage zu verarbeiten und uns gleichzeitig auf die Challenge von morgen vorzubereiten – wir wollen es bis nach ganz oben auf den Bisoke schaffen! Nach mehreren Gesprächen kursieren unterschiedliche einschüchternde Mythen über die von uns zu bezwingenden Höhenmeter (Höchstgebot von 2700 Höhenmetern), später stellt sich jedoch heraus, dass uns anspruchsvolle aber zumutbare 1300 Höhenmeter bevorstehen. 

Am Dienstagmorgen klingelt der Wecker bereits um 5:30 Uhr. Nach einem stärkenden Frühstück packen wir unsere Lunchboxen ein, schnallen uns die Wanderschuhe unter die Füße und die Rucksäcke auf den Rücken und machen uns mit Emanuelle auf den Weg zum Headquarter des Volcanoes National Park. Dort lassen wir uns – in weiser Voraussicht – Leech Socks anschnallen, die uns vor mud schützen sollen,und treffen unseren Guide Bec, der bereits seit 17 Jahren als Helfer und Guide im Nationalpark arbeitet. An dieser Stelle bekommen wir auch eine kurze Einweisung von Bec und er weist uns darauf hin, dass wir uns bei der zunehmenden Steigung auf einen gleichmäßigen Schritt und ein konstantes Tempo konzentrieren sollten, wobei uns auch die Suche nach Tieren („Girls!“) nicht ablenken sollte. Gemeinsam fahren wir eine abenteuerliche und aufregende Strecke bergauf zum Base Camp; unterwegs erkennen wir zum ersten Mal Emanuelles Fahrkunst und müssen lernen ihm zu vertrauen. 

Am Base Camp werden wir bereits von einigen Porternempfangen, die uns ihre Hilfe und einen Wanderstock anbieten – beides nehmen wir gerne an, somit begleiten und Januar und Donat ab hier auf unserer Wanderungund wir schätzen ihre Hilfe unterwegs sehr. Voller Bewegungsdrang starten wir am Base Camp auf etwa 2400 Metern über dem Meeresspiegel, während unser Ziel, der Krater des Bisoke, auf einer Höhe von 3711 Metern liegt. Nach dem „Warm-up“ über grüne Wiesen und einen ersten Aufstieg zum offiziellen Eingang des Nationalparks evaluiert Bec kurz unsere Fitness: Er sei zuversichtlich, dass wir oben ankommen (… bei einer späteren Etappe scheint er skeptischer…).

Als wäre die faszinierende Aussicht nicht genug, erwartet uns die wohl größte Überraschung, mit der tatsächlich NIEMAND gerechnet hat. Noch während wir den ersten tiefen Atemzug im Eukalyptuswald nehmen, bleibt uns der Atem stehen, als vor uns im Dickicht plötzlich eine Gorillafamilie auftaucht, die dortihr erfrischendes Frühstück genießt. Wir können unseren Augen kaum glauben, als Bec uns ermutigt, näher an die harmlosen, freundlichen Gorillas heranzutreten, die unmittelbar am Wegesrand sitzen. Auch Bec, der sich seit Jahren um den Schutz der Tiere kümmert, freut sich immer wieder und anscheinend freut er sich noch mehr darüber, unsere Erwartungen mit der Überraschung übertroffen zu haben. Trotz der großen Aufregung versuchen wir ruhig zu bleiben und machen einige Bilder von und mit den Gorillas, deren anmutige Bewegungen und Gelassenheit uns weiter fasziniert. Wir können unser Glück kaum fassen, da wir wissen, dass andere Touristen eine riesige Summe zahlen, um gezielt zu den Gorillas geführt zu werden.

Durch diese besondere Begegnung sind wir so motiviert, dass sich die nächsten Meter von ganz alleine laufen. Leider bleibt das nicht so. Mittlerweile kommen wir immer tiefer in den dichten und feuchten Regenwald und wir müssen streckenweise mit unglaublich rutschigen Matschpfützen, glitschigen Baumwurzeln und riesigen Stufen aus Wurzeln und Baumstämmen sowie zunehmend dünnerer Luftkämpfen. Wir treffen zwar keine Gorillas mehr, stattdessen aber Regenwürmer in der Größe einer Schlange – ist ja auch was Besonderes… Als die ersten von uns so außer Atem sind, dass wir bezweifeln, es bis ganz oben zu schaffen, hält Bec eine motivierende Redeund bringt uns immer wieder dazu durchzuhalten und langsam aber stetig weiter zu laufen. Auch die geduldigen Porter helfen und motivieren uns. Je höher wir steigen, desto nebeliger und kälter wird es. Plötzlich sind wir am Ende des Regenwaldes angelangt und erfahren, dass wir es in 20 Minuten geschafft haben. Voller Stolz hechten wir ins Ziel, wo wir, bevor die Snackparty steigt, aufgrund des eisigen Windes erstmal alle Pullover und Jacken überziehen, die wir dabeihaben. Trotz der Enttäuschung durch den Nebel, der die Sicht auf den Kratersee blockiert, schaut Bec in strahlende Gesichter und es scheint, als wäre das Grund genug für ihn zurückzustrahlen. 

Gestärkt und zufrieden machen wir uns auf den Rückweg: „It’s more like skiing“, da sind wir dabei! Ist zwar eher eine buckelige Skipiste, aber wir rutschen und schlittern unseren Weg nach unten. Bec macht sich zunächst einen Spaß daraus zu zählen, wie oft wir abrutschen und auf dem Hintern landen, verliert dann aber schnell den Überblick… Beim Abstieg sind die Porter wieder sehr aufmerksam und hilfsbereit und bieten uns ihren Arm als Stütze an – was für Gentlemen. Letztlich kommen wir alle heile wieder unten an – egal, wie dreckig J Als wir über die Wiese zurück zum Base Camp schlendern, haben wir alle ganz zittrige Beine und ein breites Grinsen im Gesicht – und Durst! Wir verabschieden uns von unseren netten Helfern und Bec und fallen völlig platt und zufrieden in unseren Monster Van.

Zunächst geht es zurück ins Hotel, wo wir uns frisch machen; von dort aus brechen wir auf nach Gisenyi. Noch während wir die vielen neuen Eindrücke, die Begegnung mit Gorillas sowie mit netten, hilfsbereiten Menschen und die körperliche Anstrengung verarbeiten, sind wir gespannt, wen oder was die nächsten Tage in Gisenyi mit sich bringen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s