Jung und gefährdet

Das Durchschnittsalter in Ruanda liegt gerade einmal bei etwa 19 Jahren. In Europa liegt der Anteil der Bevölkerung über 65 Jahren bei rund 20%, in Ruanda dagegen bei 6%. Andererseits leben in Ruanda auch viele Menschen mit Vorerkrankungen, wie z.B. HIV/Aids, die das Immunsystem schwächen. Wie sich diese Tatsache langfristig auswirken wird, ist noch völlig unklar. Aber auch jetzt gibt es schon die ersten Folgen zu beobachten.
Hilfsprojekte, die durch Nichtregierungsorganisationen (NGO) organisiert werden, sind auf private Spenden angewiesen, und durch die Covid-19 Pandemie auf der ganzen Welt leidet die Wirtschaft, und die Menschen spenden weniger Geld.


Wir haben mit Laetitia Umulisa gesprochen. Sie ist Psycholgin in Kigali und arbeitet bei unserem Projektpartner WEACT FOR HOPE – einer NGO, die sich um Kinder und Jugendliche kümmert, die seit der Geburt mit HIV infiziert sind.

Versammlung vor Coronazeiten


Wie ist die aktuelle Situation in Ruanda? Der Land befindet sich seit dem 21.3. im lockdown – was bedeutet das genau für Dich und Deine Familie?

Die Situation in Ruanda ist, dass jeder zu Hause bleibt, um Covid-19 nicht zu verbreiten. Die Polizei ist überall, um zu sehen, ob die Leute diese Anordnung respektieren. Nur die Geschäfte für die Grundbedürfnisse wie Supermarkt, Apotheke, Kliniken und Landwirtschaft sind geöffnet. Für meine Familie bedeutet es, dass ich mehr Zeit mit meinen Kindern verbringe, aber nicht jeden Tag, weil ich zeitweise zur Arbeit gehe.


Du bist verantwortlich für das Jugendprogramm für Kinder mit HIV. Was bedeutet diese Ausgangssperre für Deine Arbeit und diese Kinder?

Für meine Arbeit ist diese Zeit sehr kritisch und in den letzten zwei Wochen rufen mich Patienten oft an, um mir zu sagen, dass sie nichts zu Essen haben. Es ist so schwer für sie.
Ich arbeite seit 2010 bei WEACT FOR HOPE. Seitdem betreue ich dieselben Patienten, sie sind inzwischen wie zu meiner Familie geworden. Ich kenne jeden und ihre Situationen sehr gut. Sie sind die am meist gefährdeten Menschen in Kigali.
Die Eltern sind Hilskräfte, Gelegenheitsarbeiter, Tagelöhner. Viele erledigen die kleinen Jobs mit sehr geringem Einkommen, wie z.B. Wäsche waschen für andere Familien.
Jetzt sind sie zu Hause und ohne Nahrung eingesperrt.
Um die Viruslast gering zu halten und um eine erfolgreiche Therapie zu haben, müssen die Kinder jeden Tag regelmäßig ihre Medikamente zusammen mit einer Mahlzeit einnehmen. Täglich rufen mich die Eltern, die kein Essen mehr haben an und sagen, dass ihre Kinder sich weigern weiterhin ihre Medikamente ohne Mahlzeit zu sich zu nehmen. Die Unverträglichkeiten und Nebenwirkungen auf nüchternem Magen sind einfach zu stark,
Ich gebe mein Bestes, um die Unterstützung zu geben, aber es reicht nicht aus und es ist auch schwer für mich. Sie sind meine Familie und ich kenne ihre Situation! Es macht mich sehr betroffen.


Was sind die Konsequenzen, wenn sie ihre Medikamente nicht fortsetzen?

Wenn sie keine Medikamente mehr einnehmen, kann dies zu einer opportunistischen Infektionskrankheit wie Tuberkulose oder Meningitis führen, die so schlimm werden kann, dass sie zum Tod führen kann.
Und nur eine konsequent fortgeführte Behandlung mit HIV-Medikamenten ermöglicht eine gutes und langes Leben ohne Schädigung des Immunsystems.


Für die Coronaviruspandemie ist kein Ende in Sicht. Was sind die größten Herausforderungen für WEACT und andere NGOs, die Schutzbedürftigen wie diese Kinder unterstützen?

Als NGO, die von Spendern unterstützt wird, stehen wir vor einer großen Herausforderung, da unsere Spender möglicherweise nicht weiterarbeiten und auch viele andere Menschen ihren Job verlieren können. Wir haben 2400 Patienten, darunter 600 Kinder und Jugendliche. All diese Menschen weiter unterstützen zu können, ist unsere große Herausforderung.

Treffen mit den Kindern- und Jugendgruppen vor Corona.

Wir möchten diesen Familien mit ihren Kindern helfen. Von unserer ersten Überweisung wurden schon Nahrungsmittel gekauft. Leider reicht es noch nicht für alle betroffenen Familien.

Unsere Kontoverbindung: 

1000 Hügel e.V.
DE12400501500034449975
WELADED1MST
Sparkasse Münsterland-Ost

Stichwort: Coronanothilfe

Hier haben Sie die Möglichkeit online via paypal oder Kreditkarte zu spenden.  

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