Die Bienfait App

Wenn uns vor einem Jahr jemand gesagt hätte, dass wir eine App entwickeln würden, die im Google PlayStore zu finden ist und mutmaßlich Forschung und Patientendatenerhebung revolutioniert – wir hätten es geglaubt und uns gefreut! Wir schließen ja gar nix mehr aus…

Es war einmal ein tweet bei twitter, der NGOs mit konkretem Softwarebedarf aufgerufen hatte, sich zu melden und zu bewerben. Bis dato lag ich schon die ein oder andere Nacht wach und sah uns schon für das künftige Großprojekt mit Excel oder Forms arbeiten. Ein weiteres Problem: zu dem Projekt gibt es seit 2008 keine Datenerhebung und Statistiken – die zu erhebene Datenmenge wird also riesig…

Beides hat mir den Schlaf geraubt und die eher zufällig gefundene Nachricht kam wie gerufen. Wobei, wer glaubt denn an Zufall? Keine Ahnung, warum mir die Nachricht in meine Timeline gespült wurde- den Verfasser des tweets kannte ich bis dahin nicht. Es war jedenfalls die Antwort auf meine quälenden Fragen und die Lösung für besseren Schlaf. Danke schon mal dafür!

Nach einigen Vorstellungsrunden mit konkretem Bedarfsvorstellungen haben wir dann eine Zusage bekommen – die Softwarefirma EXXETA möchte uns pro-bono unterstützen und eine Software für das Bienfaitprojekt konzipieren! Die Freude war riesig! Es folgte ein intensiver Austausch, viel Input, lösungsorientierten Ideen und jede Menge Hirnschmalz seitens der Entwickler. Wie können wir eine Software konzipieren, die leicht zugänglich ist, sicherer Datenübertragung und tolle Auswertung- und Analysetools hat? Was muss sie können, damit sie sehr leicht zu bedienen und trotzdem umfangreiche Informationen abfragt? Welche Geräte sind dafür nötig? Wer hat Zugang und wie wird dieser Zugang limitiert? Welche Sprache? Welcher Server? Wie kann man Routen-, Zeit- und Arbeitspläne integrieren? Wie kann man es leicht visualisieren? Fragen über Fragen und jede Menge konstruktiver Gespräche später: die erste Version der App ist fertig und in ein paar Wochen ist sie „marktreif“.

Wie funktioniert das Ganze?

Wir erklären das am Beispiel von Linda (Ärztin im mobilen Team), Julien (Patient) und Anna (Projektkoordinatorin, Kollegin von Linda). (Namen sind fiktiv und dienen der Erklärung.)

Linda und Anna benötigen ein mobiles Endgerät, z.B. Smartphone (Android), oder ein Laptop, Tablet mit Internetzugang und die BienfaitApp. Linda ist unterwegs in den ländlichen Regionen Ruandas, um Patienten zu besuchen, Diagnosen zu stellen, wenn nötig Hilfsmittel oder Therapiemöglichkeiten anzubieten. Dazu fährt sie von Dorf zu Dorf und besucht zusammen mit den Community Health Workern Familien mit Kindern mit Behinderung, wie die Familie von Julien. Seine Eltern und 3 Geschwister leben von der eigenen kleinen Landwirtschaft in den Bergen des Distriktes Karongi. Julien ist mit 7 Jahren der Jüngste und ist weder krankenversichert noch wissen die Eltern, warum er nicht sprechen kann. Er geht nicht zur Schule und hatte auch noch keine Untersuchung und keine Diagnose. Mit Hilfe der App werden cloudbasiert Informationen, wie allgemeine Patientendaten und Lebensumstände, Ernährungssituation, Schulbesuch, etc zu Julien erhoben. Im weiteren Teil gibt es Fragen zu Diagnosezwecken. Je nach Alter werden unterschiedliche Fragen gestellt. Die App gibt automatisch die relevanten Fragen für den siebenjährigen Julien frei, da Linda sein Geburtsdatum eingegeben hat. Da Linda bei Julien Zuhause ist, aktiviert sie die GPS Koordinaten und es gibt eine Markierung in der Karte – alternativ kann sie das auch manuell machen. Sollte sie sich zum Zeitpunkt der Befragung an einem anderen Ort aufhalten, oder sollte Julien umziehen, kann sie die Koordinaten nachträglich ändern. Nach den Fragen unterschreiben die Eltern oder alternativ auch andere legale Vertreter eine Einverständnis mit einem Finger oder einem Stift auf dem mobilen Endgerät von Linda. Damit wäre der erste Teil erledigt. Die Daten sind sicher auf einem Server gespeichert.

Anna sieht an ihrem Gerät im Büro, dass ein neuer Patient – Julien – hinzugefügt wurde. Sobald z.B. Blutwerte von den Untersuchungen vorliegen, kann sie diese ergänzen. Bei Julien wurde auch ein Hörtest gemacht und festgestellt, dass er stark hörgeschädigt ist. Auch diese Ergebnisse pflegt sie ein. Auf der Map sieht sie wo Julien wohnt und plant bereits ein Nachsorgetermin in 3 Wochen. Mithilfe der App und der Map kann sie eine gute Route für alle Nachsorgetermine ausarbeiten und für das mobile Team bereitstellen. Die Software hilft ihr den Zeit- und Arbeitspläne für das Team zu koordinieren – auch unter Berücksichtigung von Urlaubstagen.

Da Anna bald eine Präsentation hat, bereitet sie die Daten der Erhebungen auf. Da alle Daten DSVGO-konform sind, werden die Informationen anonymisiert. Sie kann beliebig filtern und sich zum Beispiel alle Kinder im Distrikt anzeigen lassen, die über 6 Jahre alt sind und nicht zur Schule gehen. Diese Informationen sind hilfreich für den Distrikt und der kann entsprechend handeln. Die Informationen aus der Liste ist ebenso sichtbar in der Map – diese Visualisierung gepaart mit geografischen Informationen, hilft zu einen guten Überblick zu bekommen. Sämtliche Filterparameter sind frei wähl- und kombinierbar. So lassen sich beispielsweise alle Babies mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte anzeigen, die dann gezielt für eine OP ab frühestens im Alter von 6 Monaten vorbereitet werden können.

Grundlage für diese Auswertung und Analyse ist eine umfangreiche Dateneingabe. Das schafft Linda nicht alleine. Das Team kann durch beliebig viele Mitglieder ergänzt werden. So können Community Health Worker eine Freigabe mit persönlichem Kennwort bekommen, der sie berechtigt diese Informationen zusammen mit den Patienten einzupflegen. Die CHW werden entsprechend in der Diagnosegebung geschult. Eine Schulung für die App benötigen sie eigentlich nicht, da die Eingabe selbsterklärend und zweisprachig ist. Im Distrikt Karongi arbeiten 1600 ehrenamtliche Community Health Worker – mit ihrer Hilfe ist eine umfangreiche Datenerhebung möglich. Aufgrund der gesammelten Daten können Handlungsempfehlungen für den Distrikt, für Gesundheitsdienste, Einsatz von Schulbussen etc. abgeleitet werden.

Die App ist kostenlos, sie steht also jeder Organisation, NGO, Institution im Gesundheitsbereich etc. bald frei zur Verfügung. Und sie ist open-source, d.h. man kann sie in anderen Sprachen verwenden oder mit eigenen Fragen ergänzen. Da Android – Systeme weltweit einen Anteil von 75% ausmachen und vor allem in den ländlichen Regionen Ruandas der Anteil noch deutlich höher ist, ist die Software für dieses Betriebssystem geschaffen.

Ein herzliches Dank an EXXETA und dem weltbesten Mitarbeiter Zerdus!

Exxeta schreibt über sich:

„We are Exxeta – a company that challenges the traditional concept of consulting and tech. We love making an impact, with digital services powered by passion and new perspectives. Always transforming mindsets and markets.“

All die keywords: consulting, tech, impact, digital service, passion, new perspectives, transforming sind in diese App geflossen, an der ein gesamtes Team von exxeta pro-bono seit Monaten dran sitzt! Ist das Werbung? Ja! Unbezahlt und von Herzen und auf ewig dankbar, dass sie für uns und in Zukunft auch allen anderen, die möchten und Bedarf haben, mit dieser Software einen enormen Unterschied machen!

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