Kigali – Hauptstadt mit vielen Gesichtern

Kigali – moderne Hauptstadt Ruandas. Wöchentlich verändert sich das Gesicht der Stadt, neue Gebäude prägen das Stadtbild. Baustellen an fast jeder Ecke. Ganze Straßen verändern sich im Zeitraffer. Vor einigen Wochen ist das Convention-Center eingeweiht worden. Eine tolle Architektur nach Vorbild des Königspalast in Nyanza. Wenn wie hier, die Architekten die Geschichte des Landes als Grundlage nehmen für ein modernes Gebäude, so gefällt mir das! Kigali wurde 1907 von Richard Kandt gegründet. Vor 40 Jahren hatte Kigali gerade mal ca. 116.000 Einwohner, heute sind es geschätzte 1.200.000.  Großartige Restaurants und Bars bieten hervorragendes Essen und einen tollen Service.

Kigaili Conventuon Centre
Kigali Convention Centre, Foto: ktpress.rw   Unten: Königspalast, Nyanza

 

 

Neben der hochmodernen Seite, gibt es allerdings auch noch Viertel in Kigali die weit davon entfernt sind, modern genannt werden zu können. In Begleitung des jungen, sehr talentierten Fotografen Jaques habe ich eines dieser Viertel besucht.
Ich scheue mich ein wenig den Begriff slum zu verwenden, denn es ist direkt ein Stempel, ein Bild im Kopf. Laut Definition der UN ist ein slum eine „Siedlung, in der mehr als die Hälfte der Einwohner in unzumutbaren Unterkünften ohne grundlegende Versorgungseinrichtungen leben“. Slumbewohner leben demnach „ohne Eigentumsrechte, Zugang zu sauberem Wasser, Zugang zu sanitären Einrichtungen und ohne ausreichenden Wohnraum“. Da diese Definition mit relativ nüchternen Worten diesen elenden Zustand passend beschreibt, spreche ich hier also weiter von slums.
Eine der größten Ursachen für diese Viertel ist die Landflucht in die vermeintlich goldene Stadt. Doch was die Hoffnungsvollen dort vorfinden, ist alles andere als golden. Enge Gassen, riechendes Rinnsal, Wellblechdach an Wellblechdach, Trostlosigkeit, keine Jobs, kein eigene Versorgung aufgrund der Enge, kaum Wasser, kein Strom. Kinderaugen, die schon zuviel gesehen und erlebt haben. Und auch zu wenig.
Dieser Zustand macht betroffen, auch da man weiß, dass es diese Lebensbedingungen auf der ganzen Welt gibt. Ich liebe dieses Land, und würde am Liebsten nur Loblieder singen, geht aber nicht. Leider habe ich keine Ahnung, wie man den Zustand vor Ort nachhaltig verbessern kann. Ein Weg wäre eventuell Aufklärungsarbeit in den Dörfern, um weitere Landflucht verringern. Arm zu sein auf dem Land ist auch nicht lustig, allerdings lebt es sich vergleichsweise besser. Alleine, dass die Möglichkeit der Selbstversorgung gegeben ist, ist ein entscheidender Faktor. Ist meine persönliche Einschätzung. Falls das hier jemand liest, der sich mit Entwicklungsarbeit / demografischen Wandel etc. auskennt, bitte gerne kommentieren.

Genug der Wörter, ein Fotograf lässt lieber Bilder sprechen…

 

2 Comments

  1. Irina Ra

    Wie immer tolle Bilder und beeindruckende Einblicke! Vielen Dank, Janine! Vielen Dank, dass du das alles mit uns teilst! Es ist ein ganz anderes Format, es ist kein Fernsehabend, es ist keine neue „hochinteressante“ Information über eine Schönheitsop eines Promis, es ist horizonterweiternd, es ist mitfühlend!

    Gefällt 1 Person

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