Mubuga Coffee Tour: Ruandas schwarze Seele

Tag 7 – von Jule

Um uns herum das Paradies, ungefähr. In einem Schnellboot fahren wir über den Kivu See. Eine leichte Brise im Haar, strahlender Sonnenschein, der das Wasser zum Glitzern bringt, im Hintergrund ruandischer Gesang und um uns herum sattgrüne Hügel- und Berglandschaften. Was für ein wundervolles Setting! Genau hier wächst Ruandas „goldene“ Bohne: MUBUGA COFFEE (mubugacoffee.com)

Kaffee, nicht nur für mich, sondern auch für viele andere ein tägliches must-have. Er ist Muntermacher, Seelentröster und purer Genuss zugleich. Wie viel Arbeit und Liebe hinter einer Tasse Kaffee stecken, dass dürfen wir am 7. Tag unserer Reise von Mathias, dem Besitzer der Mubuga Coffee Plantage, und seinem Sohn Toussaint erfahren.

Am Kabahizi Mountain angekommen, beginnt die ca. 40 minütige Hiking-Tour. Alle zehn Meter hält immer wieder einer aus der Gruppe an, nicht, weil uns die Höhenmeter den Atem rauben, sondern die grandiose Aussicht auf den Lake Kivu und seine Hügellandschaft. Wieder einmal wird uns klar, warum Ruanda als das Land der 1000 Hügel bezeichnet wird.

Aber nicht nur die Aussicht fasziniert mich, sondern auch der Wanderweg, der rechts und links von unzähligen Bananen- und Kaffeepflanzen geziert ist, hat seinen Reiz. Jetzt, im Oktober, tragen die Kaffeepflanzen wenige Früchte und wenn überhaupt, sind diese hauptsächlich noch grün, nur ein paar rote, sogenannte „Kirschen“ sind zu sehen.

Das Ziel unserer kurzweiligen Wanderung ist ein 360 Grad Aussichtspunkt, von dem man die atemberaubende Landschaft bestaunen kann. Die Krönung dieses Highlights ist natürlich ein kleines Kaffee Tasting: Ruandalicious! Mit Blick auf den See und die Berge und einem milden, sehr leckerem Kaffee in der Hand hören wir Mathias gespannt zu, der uns erklärt, wie die Kaffeeernte verläuft und wie viel Arbeit hinter diesem Muntermacher steckt.

Auf Mathias‘ Kaffeeplantagen arbeiten während der Erntezeit an die 70 Leute, die die roten Kirschen ernten. Mathias baut Arabica Bohnen mit der Varietät Bourbon an, eine Kaffeesorte mit einem ganz besonderen Geschmack, der diesen insbesondere durch die Höhenlage (ca. 1700-1800m) erhält. Pro Erntezeit kann jede Kaffeepflanze an die drei Male Früchte tragen. Diese bringen ungefähr 300 Tonnen an Kaffeekirschen ein, die anschließend zu Mathias‘ Waschstation gebracht werden. Er verspricht uns, dass wir uns diese in den nächsten Tagen anschauen können.

Durch ein kleines Picknick gestärkt und noch mit dem Duft von Kaffee in der Nase, machen wir uns auf den Rückweg zum Bootsanleger in Kibuye. Während uns eine leichte Brise Wind um die Nase weht, erfahren wir von Janine, dass Mathias sich nicht nur durch seine Kaffeeplantagen einen Namen in der Gegend gemacht hat. Mathias ist durch eine ganz andere Geschichte bekannt, um nicht zu sagen, berühmt geworden. Und dies ist, wie so häufig auf dieser Reise, wieder einmal ein Moment, der uns tief berührt und uns fassungslos zurücklässt. Während des Genozids hat Mathias es durch Mut und Courage geschafft, vielen Menschen das Leben zu retten und wird seither nicht nur in der Gegend von Kibuye als “Man of Honor” bezeichnet. Während Janine Mathias‘ Sohn Toussaint zu dieser Geschichte befragt, spüren wir, dass dieses schwarze Loch in der Geschichte Ruandas, immer noch einen dunklen Schleier über das Land ziehen lässt. Wir erfahren, dass Mathias schwer mit seinen Kindern über seine Vergangenheit reden kann und diese Geschichte jetzt in einem Buch zu verschriftlichen und sicherlich auch zu verarbeiten versucht. Auch wenn die Regierung alles erdenklich Mögliche versucht, die Erinnerung als etwas Einigendes zu bezeichnen, merkt man, dass sie in der Realität vieler Familien das Verschwiegenste überhaupt ist. Umso beeindruckter bin ich von Mathias‘ Versuch, die Erinnerung über diese Zeit, in der sich das Land in eine menschengemachte Hölle verwandelte, aufrechtzuerhalten und nicht zuletzt beeindruckt auch von seiner positiven Energie und Lebensfreude, die er zu jedem Zeitpunkt ausstrahlt und die sich auch in seiner unglaublichen Gastfreundschaft zeigt. Diese dürfen wir nach unser Kaffee Tour erfahren: Wir werden zu Mathias und seiner Frau Betty nach Hause eingeladen. Uns erwartet ein reichlich gedeckter Tisch mit sämtlichen landestypischen Speisen. Es ist nicht das erste Mal auf dieser Reise, dass uns Janines Freunde als inshuti – als Freunde – annehmen und uns offenherzig empfangen.

Eine Lebenseinstellung und Haltung den Menschen gegenüber, die wir uns nach der Reise in Deutschland bewahren sollten.

Als krönenden Abschluss gibt es, wie kann es anders sein, eine frisch gebrühte Tasse Kaffee: die schwarze Seele Ruandas, Muntermacher und Seelentröster zugleich. 

Abends, im Bett, den Tag resümierend, stelle ich fest, dass wir wieder einmal einen ereignisreichen Tag, mit schönen und auch nachdenklichen Momenten erleben durften, wofür ich (wir) sehr dankbar sind: MURAKOZE CYANE, Mathias (and family) und natürlich auch Janine!

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