Kleiner Einblick in die Umsetzungsphase des Bienfaitprojekts

Wenn es besonders ruhig auf dem Blog ist, dann ist das ein Zeichen von höchster Aktivität im Hintergrund.

Das Bienfaitprojekt zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen in den ländlichen Regionen Ruandas ist vor ein paar Wochen die nächste Phase, der Phase der Umsetzung, gekommen.

In der Vorbereitungsphase haben wir unter anderem ein Auto als rollenden Praxiswagen angeschafft, eine all-in-one Unterkunft als Büro, Lager und Unterkunft für das mobile Team gefunden und hergerichtet, eine projekteigene Website auf English und Kinyarwanda aufgebaut und eine eigene Software entworfen.

Diese Software gibt es bald als App . Andere Organisationen, NGOs, Institutionen oder wer auch immer sie nutzen möchte, kann sie kostenlos herunterladen und das sie als Open Source Lösung konzipiert wurde, ist sie für die individuell anpassbar. Sie dient zur Patientendatenverwaltung, bietet Anamnese, Therapiepläne, GPS Mapping, Routenplaner und verfügt über Analysetools und vieles mehr. Danke an EXXETA, die pro bono seit Monaten mindestens 4 Softwareentwickler Vollzeit für diese Software bereitstellt.

Bienfait App
Büro, Lager und Unterkunft für das Team

Eine besondere Herausforderung der letzten Wochen war, dass wir auf unsere Jobangebote für unser mobiles Team über 400 Bewerbungen bekommen haben. Holy Moly! Das Sortieren und Lesen dauerte Tage! Wir haben eine umfangreiche Bewertungsmatrix erstellt, die Daten entsprechend eingepflegt und anschließend hat unser Kooperationspartner die Kandidaten mit den meisten Punkten zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Alleine die Vorstellungsgespräche haben eine Woche gedauert. Die Interviews wurden gefilmt und für manche Positionen Rat bei Externen geholt. Für die Position des technischen Orthopäden beispielsweise fehlte uns allen schlicht die Kenntnis Qualifikationen zu beurteilen, also haben wir einen Experten eingeladen, uns zu unterstützen. Man muss ja nicht alles wissen, nur wissen wie man an das Wissen gelangt…

Nach dieser wirklich extrem zeitaufwendigen Phase ging es dann in das Kick-off. Dem neuen Team wurde das Projekt erklärt, Aufgaben, Zuständigkeiten und Erwartungen geklärt. Auch ein sehr zeitaufwendiger aber zugleich auch ein positivenergiegeladener Prozess! Jedem Anfang schwingt Zauber und Aufbruchstimmung mit – auch hier! Die Kunst ist jetzt, diese Stimmung zu halten!

Da wir großen Wert auf eigenständige Entscheidung und Übernahme von Verantwortung bei jedem Einzelnen legen, gibt es zwar Rahmenbedingungen und definierte Ziele mit messbaren Indikatoren aber die Ausgestaltung des Arbeitsplatzes wird eigenverantwortlich im Team entschieden. Das Team besteht übrigens aus zwei Ärzten, einer Psychologin, einem Physiotherapeuten, einem orthopädischen Techniker und dem Projektmanager.

Mittlerweile sind es zusammen mit dem Team des Ausbildungszentrums 12 Arbeitsplätze , die durch 1000 Hügel geschaffen wurden. Damit möchten wir unserem Anspruch an nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit gerecht werden.

Ebenfalls hat die erste Schulung und Fortbildung für das Team stattgefunden. Prof. Dr. Leon Mutesa, einer der führende Humangenetiker weltweit hat ein Seminar zu angeborene Fehlbildungen und Chromosomenanomalitäten gehalten. (Oh wie gerne wären wir dabei gewesen!)

Was passiert jetzt genau im Projekt?

Zunächst werden in den 537 Dörfern des Distrikts Kinder und Jugendliche besucht, die eine Beeinträchtigung haben. In den meisten Fällen haben sie noch keine Diagnose, manche keine Krankenversicherung oder sonstige Unterstützung. Die Diagnose und Anamnese stellt den ersten Schritt. Anschließend wird mit den Patienten und den Eltern das weitere Vorgehen besprochen.

Wenn es Therapiemöglichkeiten gibt und diese gewünscht sind, wird diese gestartet und mit regelmässigen Nachsorgeuntersuchungen begleitet. Beispielsweise ist das Team dafür zuständig, Rollstühle zu bekommen, die den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen am Besten entsprechen. Patienten werden individuell vermessen, damit für sie Orthesen oder Prothesen gebaut werden können. Oder der Physiotherapeut zeigt Familienangehörigen Übungen und Handgriffe, wie sie täglich ihre Kinder mit Mobilitätsproblemen unterstützen können.

Unsere Psychologin schaut aufs Ganze: wie kann die Familie unterstützt werden? Wo kann sie gestärkt werden und wie kann man Stigmatisierung begegnen? Sie hilft den Familien Selbsthilfegruppen aufzubauen und sich zu vernetzen.

Karongi District

Durch diese direkte Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Kinder, aber auch durch mehr Selbstständigkeit und Selbstbestimmung soll den Kindern mit Behinderungen der Alltag erleichtert und ihnen die Teilhabe am Leben, an der Gesundheit und an der Bildung ermöglicht werden. Das Projekt zielt darauf ab, Kindern mit Behinderungen durch Teilhabe und Mobilität langfristig den Schulbesuch oder die Aufnahme einer Beschäftigung zu ermöglichen. Sie sollen in die Lage versetzt werden, ihr Leben so gut es geht selbst in die Hand zu nehmen und ihre Interessen selbst zu vertreten. Durch Bildung und zunehmende Akzeptanz sollen soziale Barrieren im unmittelbaren Umfeld abgebaut werden.

Dieses Projekt wirkt nachhaltig für mehrere Generationen und hat einen kurz-,
mittel- und langfristigen Effekt. Es werden die Lebensperspektiven von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung sowie die Lebensbedingungen der Familien im Besonderen nachhaltig und direkt verbessert und eine bessere Gesundheitssituation und Alltagsbewältigung mit mehr Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit erwirkt.
Das mobile Team erreicht die Menschen, dort wo sie leben. Sie haben aufgrund ihrer Behinderungen und der mangelhaften Infras

Begleitend dazu werden lokale Community Health Worker (ehrenamtlich Gesundheitshelfer) in der Fort- und Weiterbildung, insbesondere in der Diagnostik, geschult und dienen als Multiplikatoren für ihre Kolleg:innen. Dadurch wird die Früherkennung von vermeidbaren Krankheiten und Behinderungen reduziert (Prävention) und die Kindergesundheit in Ruanda langfristig verbessert. Ehrenamtliche Community Health Worker sind in abgelegenen Dörfern oft die einzige Anlaufstelle im Gesundheitsbereich. Das Ziel ist es, das lokale Gesundheitssystem im ländlichen Raum durch gezielte Empowerment- und Capacity Building-Maßnahmen für die lokalen Gesundheitshelfer nachhaltig zu stärken. Durch das Capacity Building des lokalen Gesundheitspersonals wird sowohl die Qualität als auch die Erreichbarkeit von Gesundheitsdiensten verbessert.

Das Bienfaitprojekt ist sehr umfangreich und entsprechend kostenintensiv. Ihr könnt uns gerne unterstützen. Wir benötigen z.B. Spenden für einen Drucker, einen weiteren Laptop, einen abschließbaren Medizinschrank und Regale für das Büro und Lager vor Ort. Gerne würden wir auch noch weitere Geräte für mobile Diagnoseverfahren anschaffen. Wir laden Euch herzlich ein, dieses Projekt zu unterstützen!

Wir von 1000 Hügel arbeiten alle weiterhin ehrenamtlich und beziehen keinerlei Aufwandsentschädigung. All die Organisation, das Management, Koordination, Personalmanagement, Marketing, wöchentliche online Monitoringgespräche (inklusive lernen und verbessern) Öffentlichkeitsarbeit, Vernetzung, Abrechnungen, Buchführung, Weiterbildungen und vieles mehr gehört zur unsichtbaren ehrenamtlichen Hintergrundarbeit. Und natürlich Anträge, Verwendungsnachweise sowie narrative und finanzielle Berichte schreiben. Deswegen ist es hier auf dem Blog gelegentlich etwas ruhiger…

2 Kommentare

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